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Researcher of the Month: Dennis Jancsary

Wie Stadtverwaltungen kollaborativ Herausforderungen der Zukunft angehen

 

 

Die Studie widmet sich sogenannten „Wicked Problems“ – dermaßen vertrackte Probleme, dass sie nur durch Formen sozialer Organisation adressiert werden können, die die Kompetenzen und Ressourcen verschiedenster Gruppen kombinieren und hochgradig inklusiv sind. Die Organisationsforschung in diesem Bereich betont durchweg die Bedeutung von Zusammenarbeit, Engagement und Teilhabe über gesellschaftliche Unterschiede hinweg. Das Kollektiv ist als Ganzes nur resilient, wenn dies auch auf das schwächste Glied in der Kette zutrifft.

In der Praxis zeigt sich jedoch häufig, dass gerade jene Herausforderungen, die ein besonderes Maß an Partizipation und Zusammenarbeit erfordern würden, existierende gesellschaftliche Brüche und soziale Verwerfungen weiter verstärken. Aktuell sieht man das etwa bei den Protesten gegen die Pandemiemaßnahmen.
Die Studie zeigt, dass Stadtverwaltungen sich dieser Problematik bewusst sind.

 

Zentrale Barrieren für die übergreifende Zusammenarbeit sind:

  • eine fehlende Basis der Zusammenarbeit aufgrund ungleicher Ressourcenverteilung und gesellschaftlicher Exklusion,
  • mangelndes gegenseitiges Vertrauen oder fehlende Wertschätzung und
  • unzureichende institutionelle und kulturelle Voraussetzungen (z.B. fehlende Erfahrung mit partizipativen Prozessen, keine formalen Strukturen zur Einbindung marginalisierter Gruppen) für nachhaltige Zusammenarbeit auf breiterer Ebene.

 

Zusammenarbeit unter schwierigen Bedingungen

Die untersuchten Stadtverwaltungen haben Strategien gegen diese Barrieren entwickelt: Sie sprechen soziale Ungleichheiten offen an, signalisieren marginalisierten Gruppen dadurch Dialogbereitschaft und überzeugen gleichzeitig privilegierte Gruppen davon, dass sie nur durch Kollaboration kollektive Probleme eindämmen können. Gleichzeitig verzichten die Strategien darauf, einzelnen Gruppen Schuld für spezifische Probleme zuzuschreiben. „Schuld“ sind vielmehr abstrakte Gegebenheiten oder externe Auslöser, sowie Versäumnisse in der Vergangenheit.

Die Stadtverwaltungen geben sich in ihren Strategien große Mühe, ein inklusives Wir als Gewinner*in der vorgeschlagenen Maßnahmen zu etablieren und nicht den Eindruck von Nullsummenspielen entstehen zu lassen.

Über Dennis Jancsary

Dennis Jancsary
 

Dennis Jancsary ist Assistenzprofessor am Institut für Organization Studies der WU Wien. 2011 promovierte er an der WU in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, wo er 2021 auch die Lehrbefugnis im Fach Betriebswirtschaftslehre erlangte. Zwischen 2014 und 2015 forschte er an der Copenhagen Business School (CBS). Als SCANCOR Visiting Fellow absolvierte er 2016 einen Forschungsaufenthalt am Weatherhead Center for International Affairs der Harvard University in Boston.

In seiner Forschung beschäftigt er sich mit institutionalistischen Ansätzen der Organisationsforschung, spezifisch mit der Rolle von Sprache und Kommunikation in institutionellen Dynamiken auf organisationaler und Feldebene. Er setzt sich intensiv mit der Rolle visueller und multimodaler Kommunikation in managementrelevanter Rhetorik, Narration und Symbolik auseinander. Sein Werk umfasst sowohl theoretische, empirische als auch methodologische Beiträge und Innovationen in diesen Bereichen.

Dennis Jancsarys Arbeiten wurden in renommierten akademischen Zeitschriften wie den Academy of Management Annals, dem Academy of Management Review, Organization Science oder Organization Studies veröffentlicht. Dennis Jancsary ist außerdem Mitglied in den Editorial Review Boards von Organization Studies und Organization Theory.