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„Wir sind eine Welt“: Gespräch mit Ali Mahlodji

Portraitfoto Ali Mahlodji

Ali Mahlodji, Start-up Gründer, Coach und Mentor für Jugendliche, sieht in der Corona-Pandemie einen starken Impuls für Innovation – mit nachhaltigen Folgen.

Die Reisemöglichkeiten sind zwar eingeschränkt, dafür hat Corona jedoch unsere geistige Beweglichkeit befeuert – und in vielen Unternehmen für Innovationsschübe gesorgt, fasst Ali Mahlodji seine Sicht auf die Covid-19 Pandemie zusammen. Als der Lockdown kam, waren wir gezwungen, uns rasch an die neuen Formen der Zusammenarbeit anzupassen – plötzlich stellte niemand mehr die Online-Meetings in Frage. „Früher hat es immer geheißen, ‚Videokonferenzen, das ist nicht dasselbe wie ein richtiges Meeting‘ – und das stimmt: Es ist nicht dasselbe. Aber viele haben sich gewundert, wie gut die virtuellen Meetings dann doch funktionieren.“ Anstatt hunderte Kilometer für nur ein Meeting zu fliegen, treffen wir uns jetzt online.

Die Digitalisierung habe es geschafft, die örtlichen Barrieren zu entfernen. „Ich hatte noch nie so viele Meetings, in welchen die Teams so international waren. Da saßen plötzlich Leute aus Brasilien, aus China, aus ganz Europa, von überall … Wir machen zwar wegen dem Virus die Grenzen zu, aber gleichzeitig arbeiten wir viel globaler und internationaler,“ sagt Malohdji. Die Grenzübergänge sperren zu, aber es öffne sich so manche Grenze im Kopf. „Wir merken bei Corona, dass wir alle im selben Boot sitzen. Wenn wir auf 2020 zurückblicken, dann gibt es einen Punkt, den niemand mehr wegdiskutieren kann: Wir sind eine Welt.“

Beweglichkeit spürt man auch in den Führungsetagen. In einer stabilen Umgebung kann man planen, in einer unsicheren Phase müsse man stattdessen ergebnisoffen arbeiten. „Die mit Abstand größte Innovation für mich ist eine Innovation des Denkens“, betont Mahlodji. „Manager/innen setzen nun vermehrt beide Hirnhälften ein, verlassen sich nicht nur auf Daten, Zahlen und Fakten, sondern zunehmend auch auf ihre Intuition. Ich kenne sogar CFOs, die auf ihr Bauchgefühl hören – weil langfristige Budgetplanung einfach nicht möglich ist.“ Wichtig sei alleine schon zu artikulieren, dass man neue Management-Fähigkeiten benötige – oder dass es auch für eine Führungskraft in Ordnung sei, in so einer Situation nicht alle Antworten parat zu haben. „Das Wichtigste für Führungskräfte war es, zu verstehen, dass es in einer solchen Situation so etwas wie Planungssicherheit nicht gibt,“ sagt Mahlodji.

Statt Entscheidungen „von oben“ setzen jetzt viele auf das Potential der Gruppe. „Manche Unternehmen haben bereits vor Corona das Thema ‚Playful Work‘ für sich entdeckt. Sie haben dafür gesorgt, dass Mitarbeiter/innen frei experimentieren können, denn „bei ‚Playful Work‘ geht es darum, dass Mitarbeiter/innen neue Zugänge erfahren und neue Dinge entdecken. Sie stehen aber unter keinem Zugzwang, dass dies zu einem ‚Erfolg‘ führen muss“, so Mahlodji. Corona habe nun viele Unternehmen gezwungen, das Potential ihrer Mitarbeiter/innen zu nutzen. „Viele Führungskräfte waren dann selber überrascht, wie viele tolle Ideen ihre Mitarbeiter/innen hatten, wie sehr sie bereit waren, die Extra-Meile zu gehen – und wie viel Innovatives in den Online-Meetings entstanden ist.“

Wichtig war es dabei, die Zügel aus der Hand zu lassen, betont Mahlodji: alle im Home Office und voneinander getrennt, mussten sich viele Teams selbst organisieren und überlegen, wie sie mit der neuen Situation klar kommen. Dabei seien viele über sich selbst hinausgewachsen und hätten interessante neue Lösungen gefunden. Eine große Rolle spielten dabei auch die Rahmenbedingungen für informelle Online-Treffen: „Etwas, das im Büro super funktioniert, ist das zufällige Zusammentreffen von Kolleg/inn/en beim Kaffee: man redet miteinander, es kommen Ideen auf, es entstehen neue Sachen. Das hat im Home Office gefehlt“. In manchen Unternehmen hätten die Mitarbeiter daher angefangen, täglich per Zufall auszulosen, wer sich in der virtuellen Kaffeeküche treffen wird. „Das ist einfach unter den Mitarbeiter/inn/en entstanden als Idee dafür, wie man dieses wertvolle, kreative und rein zufallsartige Zusammentreffen beim Kaffee in einer Online-Umgebung ersetzen kann,“ berichtet Mahlodji.

In diesem Jahr haben wir die ganze Bandbreite von menschlichen, technischen und politischen Möglichkeiten gesehen, sagt Mahlodji. Die globale Zusammenarbeit sei für ihn der erfreulichste Aspekt. Diese habe auch die Entwicklung des Covid-19 Impfstoffs maßgeblich beschleunigt. „Der Impfstoff wurde in einer globalen Zusammenarbeit entwickelt, durch welche man das konventionelle ‚Silo-Denken‘ der Wissenschaft aufheben konnte.“ Die Expertinnen und Experten hätten ursprünglich gemeint, die Entwicklung würde mehrere Jahre dauern, „und dann hat man sich entschieden, daran zusammen zu arbeiten, seine Forschungsergebnisse mit anderen zu teilen – und plötzlich war ein Impfstoff da,“ resümiert Mahlodji. Er hofft, dass dieser Trend nach dem Ende der Pandemie erhalten bleibt, um weitere globale Probleme leichter in den Griff zu bekommen, zum Beispiel die Klimaveränderung. „Wir haben jetzt die Macht der kollektiven Zusammenarbeit gesehen – wenn wir sie zulassen. Wenn wir das nicht machen, dann tümpeln wir wie bisher dahin.“

 

Im Dezember 2020 hielt Ali Mahlodji eine WU Alumni Keynote zum Thema Innovation und Fehlerkultur. Den Förderinnen und Förderern der WU steht eine Aufzeichnung der Keynote online zur Verfügung.

 

Wir bedanken uns bei unseren Unternehmenpartnerinnen und -partnern, die es uns ermöglicht hatten, allen Zuschauer/innen der Online-Keynote eine „Snackbox“ zur Verfügung zu stellen.