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Interview mit Andreas Preuer, Hub Manager San Francisco Bay Area

Andreas Preuer, Hub Manager San Francisco Bay Area

WU Alumnus Andreas Preuer ist Head of Business Development bei Google Play und hat Ende 2020 den neuen WU Alumni Hub in der San Francisco Bay Area gegründet. Wir nahmen die Hub-Gründung gleich als Anlass, ihm ein paar Fragen zur Innovation und Digitalisierung der Arbeitswelt zu stellen.

 

Covid-19 hat die meisten von uns ins Home Office geschickt. Verändert das die Arbeitswelt langfristig?
Durch die Covid-19 Pandemie sehen wir eine unglaubliche Beschleunigung der Digitalisierung. Kollaborationstools und Cloud-Services ermöglichen eine enge, reibungslose Online-Zusammenarbeit. Viele Unternehmen nützen das bereits, um Mitarbeiter/innen global zu recruiten – Wohnort und Arbeitsort müssen nicht mehr übereinstimmen. Ich glaube, diese neuen Strukturen werden langfristig bestehen: Die global verteilten Mitarbeiter/innen werden auch nach Corona remote arbeiten. Digitalisierung wird ein wichtiges Thema bleiben. Sie wird unsere Arbeitswelt weiterhin verändern aber auch viele Produkte beeinflussen, die sich vermehrt zu digitalen Services entwickeln werden.

Viele vermissen das zufällige Treffen in der Kaffeeküche, wo oft auch viele Ideen und Lösungen entstehen. Geht uns da etwas verloren?
Dieser informelle Austausch ist sehr wichtig, das stimmt. Ich glaube, dass es gute Wege gibt, solche Freiräume auch virtuell zu schaffen. Der Unterschied ist: Wir müssen uns bewusst dafür entscheiden, uns zu treffen und online einen Kaffee gemeinsam zu trinken, zum Beispiel. Das ist nicht so sehr eine Frage der Technik, sondern der Unternehmenskultur – und diese Kultur ist in vielen Fällen gerade im Entstehen. In Zukunft werden sicher auch neue technische Möglichkeiten dazu kommen, die neue Rituale schaffen. Für viele Jugendliche ist es beispielsweise normal geworden, dass sie sich in einem Online-Computerspiel treffen – und dabei nicht einmal das Spiel spielen sondern einfach Zeit miteinander verbringen.

Online muss also nicht unpersönlich heißen?
Nein, keinesfalls. Meine Erfahrung ist, dass man sich bei Online-Meetings bewusst mehr Zeit nimmt, um die anderen zu fragen, wie es ihnen geht, wie ist die aktuelle Lage bei ihnen, und so weiter. Bei den Meetings vor Ort ist man oft gleich zur Agenda gekommen. Außerdem bekommt man online Einblicke in den Alltag der anderen: Man sieht buchstäblich in ihren Lebensbereich, in ihr Wohnzimmer hinein, lernt vielleicht auch die Kinder oder die Haustiere seiner Gesprächspartner/innen kennen – manchmal auch unabsichtlich. Das macht Videoconferencing viel menschlicher.

Wie sieht es mit der Meinungspluralität aus? In Österreich hat man manchmal den Eindruck, manche Unternehmen tun sich damit noch schwer.
Aus österreichischer Sicht sind viele Unternehmen in Silicon Valley sicherlich viel dezentraler organisiert. Das Inkludieren verschiedener Meinungen – aber auch das offene Diskutieren dieser Meinungen auf allen Hierarchieebenen – ist hier ein wichtiges Thema. Ich denke, dieser Aspekt der Firmenkultur wird durch Digitalisierung noch verstärkt, denn in einer Videokonferenz ist es leichter, einfach drei weitere Leute ins Meeting zu holen um auch ihre Meinung zu hören. Gute Ideen können ja aus allen Ecken und Enden kommen – und mitunter auch kontroverse Meinungen zuzulassen kann für die Kultur eines Unternehmens sehr förderlich sein.


Der Trend zur Diversität geht also weiter – obwohl die Grenzen dicht gemacht werden?
In den letzten Jahren haben wir sehr oft gesehen, wie Diversität zu einem Unternehmen beitragen kann – wie verschiedene Meinungen, Hintergründe und Erfahrungen ein Unternehmen tatsächlich stärker machen können. Das ist besonders hier in Silicon Valley und der Bay Area sehr präsent. Ich bin mir sicher, dass Diversität auch in Zukunft ein wichtiger Punkt sein wird, das verlangt letztlich auch der Markt. Wenn ein Unternehmen seine Produkte oder Services global anbietet, die Mitarbeiter/innen aber nur einen spezifischen Segment der Gesellschaft repräsentieren, dann wird es schwierig. Spätestens dann merkt man, wie wichtig Diversität aus rein ökonomischer Sicht ist – sie ist eigentlich eine Notwendigkeit!