Corona-Krise Erfahrungen aus den Hubs

Wir haben unsere über die ganze Welt verteilten WU Alumni Hub Managerinnen und Manager gebeten, mit uns zu teilen, wie sie die Corona-Krise erlebt haben. Ein Auszug wurde im WU Alumni Magazin Forward 2/2020 abgedruckt.

 

 

Taiwan / Taipeh

Taiwan / TaipehChristian Fuchssteiner

TAIWAN ist DIE „Success Story“ in Zeiten von Covid-19: Die Ausbreitung des Virus konnte auf der High-Tech-Insel erfolgreich verhindert werden. Es gibt seit rund zwei Monate keine lokalen Neuinfektionen mehr; ein „Lock-Down“ der Wirtschaft war gar nicht erforderlich. Die allgemeine Stimmung im Land ist dementsprechend gut, vor allem weil jetzt alle Restriktionen (Maskenpflicht in Öffis, Fiebermessen bei Gebäudeeingängen, Veranstaltungsbeschränkungen, etc.) schrittweise aufgehoben werden. Die Restaurants sind plötzlich übervoll (Resort-Hotels außerhalb der Städte ebenso), und mittlerweile muss man wieder rechtzeitig Plätze reservieren – oder in der Schlange warten. 

Was wir von TAIWAN lernen können? Die gründliche Pandemie-Vorbeugung der Regierung, die hohe Disziplin der Bevölkerung, die ‚smarten‘ Lösungen dieser überaus Tech-affinen Insel!

Italien / Florenz

Italien / FlorenzChristian Frass

Ich betreibe seit fast fünf Jahren ein Landhaus, La Gioiella genannt, im nordöstlichen Teil der Toskana. Hier veranstalten wir Workshops und Seminare.

Die Toskana war im Vergleich zu anderen Provinzen Italiens weniger stark von der Pandemie betroffen. Ein Vergleich mit der Situation in Österreich ist zulässig (die Toskana ist in etwa halb so groß wie Österreich).

La Gioiella liegt in einem unbekannten, sehr ruhigen und landwirtschaftlich geprägtem Abschnitt der Toskana. Trotzdem galten auch hier wie in ganz Italien die strengen Regelungen und Einschränkungen für die Bevölkerung.

Für mich aber gab es keinen allzu grossen Unterschied zu sonst, da in den Monaten Jänner bis März/April die Gartenarbeiten und Projektarbeiten am Haus im Vordergrund stehen. Es herrschte fast jeden Tag frühlingshaftes Wetter, sodass ich viel Zeit auf dem weitläufigen Grundstück verbracht hatte. Einige Zeit vor dem Lockdown habe ich essenstechnisch schon für längerfristig vorgesorgt. Alle 2 Wochen bin ich zu meinem kleinen Alimentari gefahren um ein paar Lebensmittel einzukaufen. Diese Versorgung über kleine Bars bzw. Lebensmittelgeschäfte funktioniert in Italien sehr gut.

Als ich mich vor 5 Jahren mit meiner Frau entschlossen habe dieses Landhaus zu kaufen, war mir bewusst, dass dieser Platz hier über die Zeit an Bedeutung gewinnen wird, weil sich der Mensch wieder mehr nach Ruhe, Muse und Erdung sehnt. La Gioiella wurde im Jahr 1881 gebaut und diente jahrelang als Bauernhaus für eine mehrköpfige Familie. Sie hatten weder fließendes Wasser, Strom und sonstigen Komfort, den wir als selbstverständlich erachten. Heute profitieren wir ja von dieser außergewöhnlichen Lage und sind bestens mit Strom, Wasser, Internet und einer Heizungsanlage versorgt. Ich denke, dass solche Orte ein wahrer Luxus sind. Der nächste Nachbar ist einige hundert Meter entfernt, man bekommt jeden Morgen ein Vogelkonzert präsentiert und schaut in eine wunderschöne Landschaft umgeben von Nadelwäldern, Olivenhainen Maronibäumen und mittelalterlichen Steindörfern, deren Bewohner gewohnt sind zu improvisieren und einander zu helfen. Vielleicht beschleunigt diese Pandemie dieses Bedürfnis nach einer langsameren Zeit und es gelingt uns, La Gioiella und unser Konzept schneller bekannt zu machen.

 

Italien / Mailand-Turin

Italien / Mailand-TurinAndrea Sasso

Italien wurde bekanntlich besonders früh und besonders heftig vom Corona-Virus getroffen.

Dementsprechend musste die Regierung viele Entscheidungen treffen, ohne von der Erfahrung anderer Länder profitieren zu können.

Mich persönlich hat vor allem die Schließung der Schulen und Kindergärten betroffen.

Was mich dabei, wie viele Eltern, besonders frustriert hat war, auf welche Art und Weise diese geschlossen wurden und geschlossen blieben, während die Suche nach Lösungen vollkommen unzureichend war und ist.

Wie in vielen Ländern fiel die Hauptverantwortung der Kinderbetreuung meist, wie selbstverständlich, den Müttern zu; mit allen kurz- und langfristigen Konsequenzen für deren Beruf und Karriere.

In Kombination mit der Erkenntnis einer kürzlich in Deutschland erschienenen Studie, dass Mütter auf 40 Prozent weniger Einkommen kommen, als Frauen ohne Kinder, wirft dies die Frage auf, wie weit wir eigentlich wirklich mit der Gleichberechtigung sind.

Für Unternehmen bedeutet dies, dass der Wert von Diversity, vor allem in Führungspositionen, vielleicht noch nicht erkannt, sicher aber noch nicht ausgeschöpft ist.

Als Gesellschaft müssen wir uns überlegen wie wir verhindern, dass junge Frauen sich in Zukunft für Karriere und gegen Kinder entscheiden. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass wirtschaftliches Wachstum bei rückläufigen Bevölkerungszahlen umso schwerer zu erreichen ist.

 

USA / New York City

USA / New York CityBarbara Badelt-Ford

Der Lockdown in den USA kam plötzlich und gleichzeitig wohl zu spät, um das Schlimmste zu verhindern. Wir hatten uns gerade in New York häuslich eingerichtet und waren voller Vorfreude über den ersten Besuch aus Wien, der in ein paar Tagen eintreffen sollte. Von einem Tag auf den anderen wurden die Grenzen zugemacht. Der Besuch konnte nicht stattfinden.

Am Tag, an dem New York ‘zusperrte’, waren wir gerade in Miami. Wie sich herausstellte, würden wir dort für einige Zeit bleiben. So verbrachten wir mehr als zwei Monate unserer Quarantäne in Florida - mit einem Koffer voller Kleider, der für ein langes Wochenende gedacht war. Der Trip zum Supermarkt wurde, wie wohl für uns alle, zum Höhepunkt der Woche. Mein erster Arbeitstag in meinem neuen Job wurde zum Home Office Tag. Meine neuen Kollegen werde ich wohl bis Ende September nicht persönlich kennenlernen.

Ein dreitägiger Roadtrip brachte uns dann vor Kurzem zurück nach New York. Es ist noch immer sehr still hier und die menschenleeren Straßen in Manhattan vermitteln die Atmosphäre eines Science Fiction Films. Eine ganz eigene Dynamik hat sich aber in den sonst so anonymen Wolkenkratzern entwickelt, wenn jeden Abend tausende Menschen auf ihren Balkonen applaudieren, um den ‘essential workers’ zu danken. ‘Business as usual’ wird noch ein Weilchen warten müssen, und ich bin froh, dass man es hier langsamer angeht.

Es ist keine einfache Zeit, in den USA zu leben. Die politische Kluft ist groß und sehr stark spürbar. Aber es gibt viele positive Dinge, welche die Vereinigten Staaten besonders machen. Zum Beispiel die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, aber auch die Fähigkeit, Herausforderungen ins Auge zu blicken. New Yorker sind tough – ‘New York tough’ – wie man hier sagt. Es wird schon wieder werden, sagt man als Wiener(in) – und in diesem Fall stimmt wohl beides. New York ist nicht so leicht unterzukriegen!

Thailand / Bangkok

Thailand / Bangkok Julia Thallinger

Anfang März war ich noch auf Heimaturlaub in Österreich – ohne zu ahnen, dass das für die nächsten Monate voraussichtlich der letzte Besuch sein wird. Eine Woche später hätte ich bereits nicht mehr nach Thailand einreisen dürfen. Auch in Bangkok haben viele Unternehmen zu diesem Zeitpunkt beschlossen, ihre Mitarbeiter aus dem Home Office arbeiten zu lassen – mein Mann und ich arbeiteten insgesamt 9 Wochen von zuhause aus, bevor sich die Situation ab Mitte Mai langsam wieder verbesserte. Im Home Office war für mich die Kommunikation mit den einheimischen Kollegen die größte Herausforderung. Auch gehen immer wieder Themen unter, die man häufig im Büro „nebenbei“ mitbekommt. Auf der anderen Seite ist man natürlich flexibler, kann Dinge im Haushalt erledigen oder in der Mittagspause schnell eine Yoga-Einheit einschieben. Die ersten E-Mails am Morgen erledigte ich meist im Sonnenschein mit einer Tasse Kaffee auf dem Balkon – diese Momente waren sicherlich ein positiver Nebenaspekt des Home Office.

Lange Zeit galt in Thailand der Ausnahmezustand und bis Mitte Juni gab es eine nächtliche Ausgangssperre. Seit Beginn der Corona-Krise gehören die Schutzmasken umso mehr zum Straßenbild – ohne Maske darf man kaum Gebäude oder Geschäfte betreten und keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Ebenso wird beinahe ständig und überall Fieber gemessen, mit teils skurrilen Ergebnissen - wie etwa einer Körpertemperatur von 33 Grad Celsius. Seit einiger Zeit muss beim Betreten sowie Verlassen von Geschäften, Restaurants und Einkaufszentren mittels Barcode jeweils ein- bzw. ausgecheckt werden – genaue Angaben zum Datenschutz und der Datenverwendung dieser Tracking-Option seitens der Behörde gibt es nicht.

Bedrückend ist für mich, nicht genau zu wissen, wann ich das nächste Mal nach Österreich reisen und somit Familie und Freunde wiedersehen kann. Auch sieht man viele Thais, die sehr unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise litten und noch immer leiden. Daher muss man sich bei den persönlichen kleineren Einschränkungen immer wieder ins Bewusstsein rufen, wie gut es einem eigentlich geht und dies auch dementsprechend zu schätzen wissen. 

 

Ungarn / Budapest

Ungarn / Budapest Paul Binder

Ab Mitte März waren meine Frau, unser Sohn und ich zu Hause. Unser Home Office hat einen Arbeitsplatz. Es gab herausfordernde Zeiten, wo wir beide zeitnah wichtige Aufgaben zu erledigen hatten und Oma oder der Kindergarten fehlten. Unserem Sohn sind stark andere Kindern abgegangen. Umso wichtiger war es, dass wir uns Zeit für ihn nahmen. Es war eine Art ‚Multilevel Multi Tasking‘ – zwischen familiären und beruflichen Themen rasch hin und her zu wechseln. Einander zuhören und zu reden, das Beste aus der Situation zu machen versuchen, sowie Lächeln und Humor waren hilfreich.

Unsere Umgebung hat abwartend, ruhig und aufmerksam reagiert. Bei Personalsuchen war es für Kandidat*innen wichtig, die langfristige Stabilität eines Arbeitgebers einschätzen zu können und ihre Gehaltswünsche waren flexibel.

‚Wir wissen nicht, wie es nach dem Neustart weitergeht, aber wir sind bereit dazu‘ war das unausgesprochene Motto in meinem privaten und beruflichen Umfeld. Resilienz und entrepreneurial spirit sind Grundlage und Inspiration für einen Neustart. Für agile Menschen und Unternehmen werden sich neue Chancen eröffnen. Der Mut zur ‚eigenen Neuerfindung‘ und die Pflege sozialer Kontakte sind wichtiger denn je. In unserem internationalen Personenberatungsnetzwerk überlegen wir die neue Marktbearbeitung im geänderten Umfeld. ‚Welche Branchen und Unternehmen werden die Gewinner sein, welche Talente werden sie global und lokal benötigen, wer wird krisenbedingt Talente freisetzen und welche HR Dienstleistungen werden verstärkt nachgefragt‘ sind unsere Themen.

Allgemein hat der Corona shutdown einige nachhaltige Veränderungen angeregt:

  • Informelle Kleidung (sofern vereinbart) und kurzfristige Unterbrechungen (Kinder, Haustiere, Lieferservice, usw.) bei Home Office online Meetings sind weitgehend akzeptiert. Die Dresscodes bei geschäftlichen Treffen wirken nach dem Neustart entspannter.
  • Persönliche Gespräche werden mehr geschätzt und bewusster eingesetzt; gleichzeitig werden mehr Themen in online Meetings bearbeitet.
  • Flexibilität und Improvisation werden als Merkmale der Agilität geschätzt.
  • Die Einstellung ‚Wir sitzen alle im gleichen Boot und helfen uns‘ wurde wichtiger.
Belgien / Brüssel

Belgien / Brüssel Christian Macek

Am Beginn des Lockdown in Brüssel hatte ich ein Deja-vu, gab es doch bereits ähnliche Lockdowns in November 2015 nach den Terroranschlägen in Paris und im März 2016 nach den Anschlägen in Brüssel. Nur war es dieses Mal viel länger und man wusste nie genau ob und wann eine Lockerung in Sicht ist. Belgien war diesbezüglich nicht unter den Vorreitern und die Todeszahlen waren zeitweise die höchsten per 1000 Einwohner in Europa, hatte man doch ‚sicherheitshalber‘ alle Todesfälle in Altersheimen statistisch COVID19 zugerechnet.

Persönlich war es extrem herausfordernd neben Homeoffice noch Volksschullehrer, Putzperson und Koch zu sein. Positiv war vor allem die Stille und das bewusste Zusammenleben mit der Familie. Auch hatten wir die Möglichkeit, die Fauna und Flora am Stadtrand genauestens beim täglichen Mittagsspaziergang zu beobachten. So sind wir nun alle vertraut mit den Wasserschildkröten, Stockenten, Teichhühnern und Co, etwas wofür wir unter „normalen Umständen“ niemals die Zeit gefunden hätten.

Australien / Sydney

Australien / Sydney Michael Altenburger

Noch in Japan beim Schifahren erreichten mich Anfang Februar aufgeregte Textmessages meiner Fluglinie mit der Mitteilung, dass die australische Regierung Einreisebeschränkungen und Sondermaßnahmen betreffend Reisende, die sich seit dem 1. Februar in China aufgehalten hätten, verfügt hat.
Die langen Schlangen am Flughafen bei der Rückkehr nach Sydney schienen das nur zu bestätigen. Die wirkliche Ursache dafür waren aber nicht exzessive Gesundheitschecks, sondern 2 ausgefallenen E-Passport Reader.
In den 2 - 3 Wochen nach unserer Rückkehr wurde der Lockdown verfügt und nur mehr essenzieller Verkehr zugelassen. Das bedeutete in unserem Fall 2 berufstätige Eltern und 3 StudentInnen im „Home Office“. Das Internet wurde zu unserer „Lifeline“.
Wider Erwarten bewirkte das plötzlich erzwungene enge Beisammensein keine (zusätzlichen) emotionalen Konflikte. Durch die eben erst überstandene Pubertät unserer Ex-Teenager heraufbeschworene Ängste erfüllten sich nicht. Die übliche Aufregung um die Teilnahme am gemeinsamen Abendessen erübrigte sich und wurde von wöchentlicher Menüplanung mit Ernennung von Küchenchef, Sous-Chef und Clean-Up Crew ersetzt.
Die erzwungene Verlangsamung hatte zumindest in unserem Fall keinen Lagerkoller zur Folge (Joggen am Strand – maximal zu zweit – war noch erlaubt).

Österreich / Oberösterreich

Österreich / Oberösterreich Wolfgang Dilly

Unsere Generation hat noch nichts Vergleichbares zur Corona-Krise erlebt und insofern war es zu Beginn eine sehr außergewöhnliche Situation, an die ich mich jedoch durchaus schnell gewöhnt habe und der ich auch so einiges Positives abgewinnen konnte – eine Entschleunigung und auch Rückbesinnung auf das Wesentliche. Dem üblichen hektischen Treiben wurde bis zu einem gewissen Grad ein Riegel vorgeschoben, als zumindest Präsenzbesprechungen und Veranstaltungen wegfielen. Sehr bildlich in Erinnerung ist mir auch noch mein regelmäßiger Fußweg von der Arbeit nach Hause entlang der Bundesstraße in Kirchdorf an der Krems bei Sonnenschein und wie außergewöhnlich es war, weil kaum Autos fuhren – so stelle ich mir die diesbezügliche Situation in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts vor und ich habe diese sehr bewusst wahrgenommen. Mehr als sonst wurde man persönlich auch wieder mit dem oft im Alltag untergehenden, aber durchaus für das Leben sehr zentralen Thema der eigenen Sterblichkeit durch die grassierende und in den Medien omnipräsente Pandemie konfrontiert.

England / London

England / London Armin Forstner

‚Positive Action‘, nachdem man eine realistische Einschätzung der Situation vorgenommen hat, ist einer der Grundpfeiler die wir bei unseren Positive Leadership Programmen, Führungskräften beibringen. Diese ‚Positive Action‘ kann man aber nur bei Dingen setzen, die man auch selbst beeinflussen kann. Am Höhepunkt der Krise, musste ich mir auch selbst dies immer wieder ins Gedächtnis rufen, denn die meisten, negativen Einflüsse kann man einfach nicht kontrollieren, sondern nur drauf reagieren. 

Wir arbeiten viel mit UN-Agenturen, und obwohl die Vereinten Nationen eine sehr bürokratische Organisation ist, ist Sie doch Meister in ‚Emergency Response‘. Auch während der Corona-Krise, haben wir miterlebt wie laufende Programme, schnell und unbürokratisch umgestellt werden und Menschen rasch geholfen werden kann.

Meine größten ‚Learnings‘ aus der Krise sind: digitale Trainingsprogramme funktionieren aber nur in kurzen Einheiten und mit viel Vorbereitung; Meditation ist und bleibt ein Eckpfeiler, um Perspektive zu gewinnen; und Arbeitsweisen werden sich grundsätzlich verändern und wir werden viele Verhaltensweisen neu denken.

Bleiben Sie gesund!

Irland / Dublin

Irland / Dublin Reinhard Dutter

In Irland hat der Lockdown am 12. März begonnen mit der Ankündigung, die Schulen vorläufig zu schließen. Dies hat dann zu einer gewissen Panik-Reaktion geführt, welche sich vor allem in den Toiletten-Papier-Absätzen im Supermarkt widergespiegelt hat. Es hat sich dann schnell wieder beruhigt, aber die Maßnahmen wurden nach und nach verstärkt, und mit Ende März war die irische Bevölkerung daheim und durfte das Haus nur mehr in Ausnahmefällen verlassen – Spaziergänge innerhalb eines 2km-Radius, Arzt- und Supermarktbesuche.

Das hat dann natürlich auch die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben schwer getroffen – man geht ja in Irland gerne ins Pub und trifft sich mit Freunden und Kollegen – oder mit dem der gerade da ist (es gibt ja keine Fremden in Irland, nur Freunde die man noch nicht getroffen hat!). Deswegen haben die Maßnahmen den Iren schon etwas zugesetzt.

Manche Maßnahmen sind sehr streng – die Kindertagesstätten waren zum Beispiel zu, was natürlich die Eltern vor fast unlösbare Probleme stellt, speziell diejenigen, welche im Gesundheitsbereich arbeiten.

Aber mittlerweile sind die Fallzahlen gesunken und die tägliche Kapazität für Tests wurde stark hochgefahren, was ein schrittweises Wieder-Eröffnen der Wirtschaft und des sozialen Lebens ermöglicht. Die Geschäfte und Einkaufszentren sind mittlerweile offen, die Restaurants und Friseure werden Ende Juni wieder aufmachen, und die Pubs dann schließlich im Juli.

Persönlich hat sich mein Alltag etwas verändert. Ich arbeite jetzt immer von zu Hause, was eigentlich dank Technologie ziemlich gut funktioniert. Am 12. März war ich noch außer Landes in Schweden/Finnland auf einem College-Trip – ich bin aber schon etwas früher nach Hause geflogen. Trotzdem gab es dann ein paar Corona-Virus-Fälle in meiner Reisegruppe, was einem das ganze Thema doch näher bringt als einem lieb ist.

Das Home Office wird in Irland sicher noch länger ein Begleiter sein, da die Regierungsrichtlinien ziemlich stringente Distanzierungs-Vorschriften für Arbeitsplätze vorsehen. Es funktioniert soweit aber ganz gut, und ermöglicht mir dann auch mehr zu Hause bei meiner Tochter zu sein!

Deutschland / NRW - Bonn, Düsseldorf, Köln

Deutschland / NRW - Bonn, Düsseldorf, Köln Thomas Planinschetz

Die Corona-Krise hat uns alle in ganz unterschiedlichen Bereichen des Lebens an Grenzen gebracht, aber gleichzeitig auch gezeigt, was alles möglich sein kann und damit Kreativität, Innovation und Flexibilität gefördert. Persönlich habe ich das Glück, Home Office in verschiedenen Ausprägungen bereits in der Vergangenheit genutzt zu haben. Aus diesem Grund war es für mich unproblematisch von einem Tag auf den anderen von zu Hause aus zu arbeiten. Hinzukommt, dass ich ein gut ausgestattetes Arbeitszimmer in meinem Haus nutzen kann. Ich bin mir aber bewusst, dass nicht jeder meiner Kollegen oder Mitarbeiter über diese Erfahrung und räumlichen Möglichkeiten verfügt, was in der virtuellen Zusammenarbeit anfangs zu Herausforderungen führte. Als Vorgesetzter war mir gerade in dieser Zeit besonders wichtig, dass sich mein Team an Routinen hält (z.B. feste Pausen einplanen, gemeinsame virtuelle After Work Drinks). Vertrauen in die (Arbeits-)Disziplin von Mitarbeitern stellt in diesem Zusammenhang eine besondere Herausforderung dar. 

In privater Hinsicht führten die Elternzeit meiner Frau und meine eigene im April dazu, dass wir uns in der Hochphase des Lockdowns sehr gut um unsere Kinder (0,5 und 4 Jahre) kümmern konnten. In den anderen Wochen im Home Office freute ich mich, wenn ich meine eigene Mittagspause mit meiner Familie verbringen konnte oder auch, dass mir meine Tochter ab zu Obst oder Süßigkeiten ins Arbeitszimmer brachte. Sie durfte dafür manchmal an Videokonferenzen mit meinem Team teilnehmen, was insgesamt zu einer positiven Stimmung beitrug. 

Wir haben alle viel für die Zukunft gelernt - Positives wie Negatives. Besonders spannend wird aus meiner Sicht die weitere Verschmelzung von beruflicher und privater Welt werden (Arbeitsort, Arbeitszeit, Zusammenarbeit, Kinderbetreuung,…) - hier sind Familien, Unternehmen und auch der Staat gefordert.

Schweiz / Zürich

Schweiz / Zürich Aladar Tepelea

Ich bin im Bereich Innovation tätig. COVID hat leider sehr viele Innovationsvorhaben gestoppt. Gleichzeitig gehen manche Startups auch als Gewinner hervor, unter anderem sind wir in einen Accelerator gekommen. Die Krise bietet also sowohl Rückschläge als auch Chancen. Ich sehe es ganz pragmatisch: Jammern hilft nichts, man muss etwas tun, um in den schwierigen Zeiten voranzukommen.
Einige Alumni hatten sich proaktiv bei mir gemeldet und daraus sind interessante Gespräche entstanden. Ich bin gespannt was die Zukunft bringt.